Rückblick 2026
Ein Streitschlichter der alten Schule geht in den Ruhestand
Großefehntjer Heinrich Beyen war 39 Jahre lang als Schiedsmann tätig
Dieses Ehrenamt lag ihm besonders am Herzen und er hat es sehr lange ausgeübt: Der Großefehntjer Heinrich Beyen war 39 Jahre lang als Schiedsmann in der Gemeinde Großefehn tätig. Unzählige Gespräche hat er in diesen knapp vier Jahrzehnten geführt, um im Streitfall eine Einigung zu erzielen, bevor sich Gerichte damit beschäftigen müssen. Jetzt wurde Heinrich Beyen von Großefehns Bürgermeister Erwin Adams und Dr. Marc Hirschmann, Richter am Auricher Amtsgericht und stellvertretender Direktor, in den Ruhestand verabschiedet.
„Lass die Leute erstmal reden, auch wenn es dabei lauter werden könnte“, das war stets die Devise von Heinrich Beyen. Ziel war es, die Streithähne zu einer Einigung zu bewegen. Denn einen Vergleich zu erzielen, ist immer noch besser als ein Gerichtsurteil. Das kostet nicht nur Geld, sondern verhärtet die Fronten.
Zum Schiedswesen ist Heinrich Beyen durch seinen Vater Gerd gekommen. Der war auch als ehrenamtlicher Schiedsmann aktiv. Von 1987 bis 1995 waren Vater und Sohn sogar gleichzeitig tätig. Früher wurde noch beim Schiedsmann im Wohnzimmer verhandelt, berichtet Heinrich Beyen. Mittlerweile finden die Gespräche in den Räumen der Gemeindeverwaltung Großefehn statt.
Die meisten Streitigkeiten gebe es unter Nachbarn. Oft gehe es um banale Dinge wie das Heckenschneiden, Grabenreinigung oder auch darum, dass Kinder zu laut seien. „Quasi alles was im normalen Leben so anfällt“, umreißt Beyen seine Aufgaben als Streitschlichter.
Einige Hundert Gespräche und Verhandlungen hat der 72-Jährige in seinen 39 Jahren als Schiedsmann geführt. Gestartet ist er am 26. Februar 1987. Bis 2005 war er stellvertretender Schiedsmann. Anschließend war er erster Schiedsmann und hatte diese Funktion bis zu seiner Verabschiedung inne.
Außerdem gehörte Heinrich Beyen dem Vorstand der Bezirksvereinigung Aurich des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen an.
Dr. Marc Hirschmann lobt die Arbeit der Schiedsleute. Denn durch außergerichtliche Einigungen werde den Gerichten einiges an Arbeit erspart. „Ein Vergleich ist immer besser, als ein Urteil“, so der erfahrene Richter.
Auch Großefehns Bürgermeister Erwin Adams sieht das so: „Schlichten ist besser als streiten. Heinrich Beyen sowie insgesamt alle Schiedsleute leisten wertvolle Arbeit für das Miteinander in unserer Gemeinde!“
Für seinen ehrenamtlichen Einsatz erhielt Heinrich Beyen ein Präsent sowie Urkunden der Gemeinde Großefehn und des Landgerichts Aurich, unterzeichnet von der Präsidentin Frauke Seewald.
Quellennachweis: Gemeinde Großefehn, Meldung vom 07.08.2026
Stadt Aurich verabschiedet langjährige Schiedsperson Kurt Kunert
Nach beeindruckenden 20 Jahren im Dienst der außergerichtlichen Streitschlichtung wurde Herr Kurt Kunert offiziell aus seinem Amt als Schiedsperson der Stadt Aurich verabschiedet. Mit ihm geht ein Fachmann, der das Goethe-Motto „Schlichten ist besser als Richten“ über zwei Jahrzehnte hinweg mit Leben gefüllt hat. Die langjährige Tätigkeit war dabei stets von einer außerordentlich vertrauensvollen und konstruktiven Zusammenarbeit mit der Stadt Aurich geprägt.
Herr Kunert trat sein Amt im Jahr 2005 nach der Wahl durch den Rat der Stadt Aurich an und füllte dies 10 Jahre lang aus. Von 2015 bis 2025 prägte er als stellvertretende Schiedsperson die lokale Schlichtungskultur. Als Regierungsoberamtsrat a. D. brachte er nicht nur die notwendige Verwaltungsexpertise für die rechtssichere Protokollierung der Verfahren mit, sondern vor allem das, was in diesem Ehrenamt unverzichtbar ist: Geduld, Lebenserfahrung und ein ausgeprägtes Verhandlungsgeschick.
Ein gerichtliches Verfahren verursacht oft hohe Kosten und lässt die Beteiligten manchmal unzufrieden zurück; besonders in Nachbarschaftskonflikten stellt ein Urteil meist nur einen vorläufigen Schlusspunkt dar. Herr Kunert setzte hier sein Fingerspitzengefühl ein, um nachhaltige Einigungen zu erzielen, die den sozialen Frieden in der Gemeinschaft sicherten und die Gerichte entlasteten.
Um seine Kompetenzen stetig zu erweitern, absolvierte Herr Kunert zahlreiche Fortbildungen im Zivil- und Nachbarschaftsrecht und ließ sich zusätzlich durch den BDS zum Mediator ausbilden. Diese Zusatzqualifikation ermöglichte es ihm, durch spezielle Mediationstechniken Lösungen zu finden, die auf allseitiger Akzeptanz basieren.
Über sein lokales Engagement hinaus war Herr Kunert dem Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen e. V. viele Jahre eng verbunden. Als stellvertretender Landesvorsitzender in Niedersachsen und Bezirksvorsitzender der BDS-Bezirksvereinigung setzte er sich über die Auricher Stadtgrenzen hinaus für das Schiedswesen ein.
Quellennachweis: Stadt Aurich, Meldung vom 02.02.2026